Kommentare zu Versicherungsthemen Autor: Hubert Gierhartz

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Kommentar zur Kfz-Versicherung
„Bei Neuwagen ist eine Werkstattanbindung absolut nicht zu empfehlen“
Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu, und schon ist die Kfz-Versicherung im Fokus
der Verbraucherschützer und Vergleichsportale. „Bis zu 1.500 Euro sparen,
Vollkaskoversicherung ist bei einem vier Jahre alten Fahrzeug nicht mehr
notwendig, und eine Teilkasko kann sich der Verbraucher auch sparen.“ Mit diesen
Aussagen sollen die Verbraucher zu einem Wechsel ihrer Kfz-Versicherung
bewogen werden. Versicherungsmakler Hubert Gierhartz nervt das. Er schreibt in
seinem Kommentar, wann sich Voll- und Teilkasko wirklich lohnen – und worauf es
dabei zu achten gilt. Was deckt die Vollkaskoversicherung denn tatsächlich ab?
Oft höre ich, dass eine Vollkaskoversicherung nur in den ersten zwei Jahren nach Erstzulassung sinnvoll ist. Woher kommt diese Annahme? Vor 1994 war es tatsächlich so, dass die Vollkaskoversicherung in den ersten zwei Jahren den Kaufpreis des Fahrzeugs ersetzt hat. Beispiel: Der Anschaffungspreis, damals angenommen 30.000 Mark wurden bei einem Totalschaden abzüglich der Selbstbeteiligung voll ersetzt. Nach zwei Jahren wurde nur noch der
Wiederbeschaffungswert am Schadenstag, in diesem Beispiel vielleicht rund 20.000 Mark ersetzt. So hoch muss man den Wertverlust auch heute noch nach zwei Jahren einschätzen. Nur, wer hatte denn 20.000 Mark einfach mal so zur Verfügung? Also war und ist doch eine Vollkaskoversicherung weiterhin sinnvoll, insbesondere dann, wenn das Fahrzeug auf Raten gekauft und der Kreditvertrag beispielsweise über vier Jahre abgeschlossen wurde. Bei einem Totalschaden
bleiben ohne Vollkasko nur Ratenzahlungen. Längere Laufzeit – höhere Prämie
Aber selbst wenn das Fahrzeug bezahlt ist, ist der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs am Schadenstag versichert. Und jeder Verbraucher muss für sich selbst einschätzen, ob er in der Lage ist, einen Totalschaden finanziell zu verkraften.
Diese Zwei-Jahres-Regelung Neuwertwertersatz am Schadenstag ist mit der Deregulierung des  Europäischen Markts gestrichen worden. In den vergangenen Jahren fügten viele Versicherer diese Regelung wieder in ihren Verträgen mit ein. Nur mit unterschiedlichen Laufzeiten: Versicherer A zum Beispiel mit 6 Monaten, Versicherer B mit 18 Monaten oder Versicherer C mit 24 Monaten. Es dürfte doch für jeden verständlich sein, dass eine längere Laufzeit eine höhere Prämie nach sich zieht. Inzwischen gibt es aber Anbieter, die den Kaufpreis auch bei Gebrauchtfahrzeugen zum Beispiel bis zu 20 Monate nach Zulassung auf den Erwerber ersetzen. Welche Schäden deckt die Vollkaskoversicherung ab?
Der selbstverursachte Unfall ist versichert, außer es sind Alkohol oder Drogen im Spiel. Das heißt, im Schadensfall erhalte ich den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs. Wichtig ist, dass in der Vollkasko bei selbst verursachten Schäden der Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit mit versichert ist. Sonst kann der Versicherer nach dem Grad des Verschuldens, zum Beispiel bei Rot über die Ampel fahren, kürzen. Um es deutlich zu sagen: Ist der Verzicht auf Einwand der groben Fahrlässigkeit nicht mit eingeschlossen, ist nur eine halbe Vollkasko vereinbart. Auch hier dürfte es doch auch wohl jedem klar sein, dass diese zusätzliche Vereinbarung mehr Prämie abverlangt. Aber auch die unsägliche Telefoniererei und das Handling mit dem Smartphone am Steuer ist eine
grobe Fahrlässigkeit. Auch hier leistet die Vollkaskoversicherung, wenn der Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit vereinbart wurde. Fahrerflucht ist auch abgedeckt In der Vollkasko ist auch die Fahrerflucht versichert. Und diese Schäden passieren leider täglich. Schäden von 2.000 bis 3.000 Euro sind an der Tagesordnung. Wenn keine Vollkaskoversicherung abgeschlossen wurde, muss der Geschädigte den Schaden selber tragen. Liegt ein Schaden mit einem nicht versicherten Fahrzeug vor, – davon fahren täglich rund 80.000
über Deutschlands Straßen, weil die Versicherungsprämie nicht gezahlt wurde – bleibt der Halter ebenfalls auf seinen Schaden sitzen, wenn er keine Vollkasko abgeschlossen hat. Schutz auch im Ausland Ist die Unfallursache ungeklärt, und womöglich gerichtsanhängig, muss mit der Ersatzbeschaffung  eines Fahrzeugs unter Umständen solange gewartet werden, bis ein rechtsgültiges Urteil gefällt
worden ist. Eine Vollkaskoversicherung könnte vorab in Anspruch genommen werden. Hat ein deliktunfähiges Kind einen Schaden verursacht, muss der Fahrzeughalter auch für den verursachten Schaden aufkommen, obwohl er den Schaden selbst nicht verursacht hat. Im Ausland gelten völlig andere Regeln, und hier einen Haftpflichtschadensanspruch nach dem dort geltenden Recht durchzusetzen ist recht schwierig. Auch hier könnte die Vollkaskoversicherung
vorab in Anspruch genommen werden. Wird die Vollkaskoversicherung in Anspruch genommen, wird der Vertrag zurückgestuft. Dabei spielt es keine Rolle, ob hier Eigen- oder Fremdverschulden vorliegt. Vollkasko kann preiswerter sein als eine Teilkasko. In der Vollkaskoversicherung wird wie in der Haftpflichtversicherung ein Schadenfreiheitsrabatt eingeräumt. Ist der Vertrag zum Beispiel in der Haftpflichtversicherung in der SF-Klasse 20 zum Beispiel 27 Prozent eingestuft, so wird die SF 20 auch in der Vollkaskoversicherung eingeräumt, wenn diese erstmalig im Vertrag eingeschlossen wird. Die Teilkaskoversicherung ist immer eine
100 Prozent Prämie. Das kann dazu führen, dass eine Vollkaskoversicherung preiswerter oder nur unerheblich teurer ist als eine Teilkaskoversicherung.
Bleibt das leidige Thema Werkstattbindung. Viele Versicherer bieten in der Vollkaskoversicherung eine sogenannte Werkstattbindung an. Dadurch verringert sich die Prämie in der Vollkaskoversicherung. Allerdings muss immer die Werkstatt aufgesucht werden, die die Gesellschaft vorschreibt. Hält sich der Halter nicht an diese Vereinbarung, muss er mit Sanktionen rechnen. Zum Beispiel muss er dann auch noch 15 Prozent der Reparaturrechnung neben der
vereinbarten Selbstbeteiligung zahlen, oder es wird eine pauschale Vertragsstrafe fällig. Bei neuen Fahrzeugen besser keine Werkstattbindung
Bei Neufahrzeugen ist eine Werkstattanbindung aus meiner Sicht absolut nicht zu empfehlen. Der Kfz-Hersteller hat in den ersten drei Jahren eine Gewährleistungspflicht. Da kommt es ihm ganz recht, wenn er sich auf eine nicht sach- und fachgerechte Reparatur in einer nicht markengebundenen Werkstatt berufen kann. Auch bei der fiktiven Schadensabrechnung, das heißt eine Abrechnung nach Gutachten oder Kostenvoranschlag, gibt es Probleme. Die Leistung wird wie folgt gekürzt: Für 25 Arbeitsstunden á 85 Euro fallen laut Gutachten 2.125 Euro an. Jetzt verweist der Versicherer auf die
Werkstattbindung, mit der er einen Stundenlohn von 60 Euro vereinbart hat – also insgesamt 1.500 Euro. Er reguliert nicht die 2.125, sondern nur die 1.500 Eur. Es kommt zu einer Differenz von 625 Euro. Ein toller Vertrag Eine Vollkaskoversicherung ist von den wirtschaftlichen individuellen Verhältnissen abhängig. Der Milliardär, der seinen nicht versicherten Ferrari schrottet, trinkt eine Flasche Schampus im Wert von 1.000 Euro darauf, dass ihm sonst nichts passiert ist. Dem Verbraucher, der sein Auto finanziert hat, bleiben bei fehlender Vollkaskoversicherung nur Schulden. Derjenige, der sein bezahltes Fahrzeug
von heute auf morgen ersetzen muss, wird wohl auch finanzielle Probleme bekommen.
Die Teilkaskoversicherung
In jeder Vollkaskoversicherung ist die Teilkaskoversicherung automatisch eingeschlossen. Nur die Selbstbeteiligung kann frei vereinbart werden, beispielsweise 150 Euro Selbstbeteiligung, keine oder aber auch eine höhere Selbstbeteiligung. Ein Teilkaskoschaden führt grundsätzlich nicht zur
Rückstufung. Die Beiträge bleiben unverändert.
Was ist in der Teilkaskoversicherung versichert?
Brand und Explosion etwa. Grundsätzlich ist auch der Diebstahl des Fahrzeugs versichert. Auch der Teilediebstahl, Aufbruch des Fahrzeugs und zum Beispiel ein entwendetes Navigationssystem und die damit verbundenen Reparaturkosten. Nicht versichert sind persönliche Gegenstände wie Handtasche, Laptop, Handy, Kleidung et cetera, die im Fahrzeug zurück gelassen werden. Glasbruchschäden – sind grundsätzlich versichert – egal wo durch der Bruch entstanden ist. Alle folgenden Risiken sind frei vereinbart und versicherbar: Erdbeben, Lawinen und Muren,
Dachlawinen, Sturm, Hagel, Blitzschlag, Überschwemmung. Hierbei ist das Risiko Lawinen und Muren sehr unterschiedlich bei den einzelnen Gesellschaften im Versicherungsschutz eingeschlossen.
Schäden verursacht durch Hagelschlag werden bei älteren Fahrzeugen gerne fiktiv – also nach Gutachten abgerechnet. Der Kfz-Halter kann mit den Beulen leben, und will lieber simpel gesagt, Bares. Ist eine Werkstattbindung mit dem Versicherer vereinbart, wird hier auch eine Kürzung bei den Stundensätzen vorgenommen. 10 Euro Teilkaskoprämie im Jahr gespart, und der Schadensersatzanspruch wird zum Beispiel um 500 Euro gekürzt. Tolle Einsparung. Zusammenstoß mit Tieren
Gängig ist hier, dass nur der Zusammenstoß mit Haarwild versichert ist. Läuft der streunende Hund ins Auto, und ist der Zusammenstoß mit Tieren aller Art nicht versichert, muss der Halter des Wagens den Schaden selber zahlen. Um das zu vermeiden sollte Zusammenstoß mit Tieren jeder Art  versichert sein.
Wenn es bedingt durch einen Kurzschluss zu einer Überspannung kommt, ist auch das versichert. Wichtig ist hier, dass der Versicherer Ersatz auch für Aggregate wie Lichtmaschine, Batterie oder Anlasser leistet. Tierbiss-Schäden
Wenn der Versicherer Tierbiss-Schäden nur auf den Marderbiss einschränkt, leistet er nicht, wenn zum Beispiel eine Ratte, eine Maus oder ein Eichhörnchen den Schaden verursacht hat. Wichtig ist aber, dass der Versicherer auch für die Folgeschäden leistet. Wie sieht das in der Praxis aus? Das Tier zerbeißt ein Kabel. Das merkt der Kfz-Halter nicht. Er fährt los, irgendwann bleibt das Auto
stehen und der Folgeschaden, der bedingt durch das zerstörte Kabel verursacht wurde, ist teurer als das zerbissene Kabel. Schäden in Höhe von 2.000 Euro und mehr sind hier nicht selten. Ist der Folgeschaden nicht versichert, muss der Halter des Wagens dafür selber aufkommen. Dachlawinen, ein Schaden, der gar nicht mal so selten vorkommt. Bei starken Schneefällen bleibt bei den meist
gut gedämmten Dächern der Schnee liegen. Kommt die Sonne und löst die Dachlawine aus, kann das dazu führen, dass ein Fahrzeug einen Totalschaden erleidet. Der Besitzer eines dreistöckigen Hauses kann nicht auf Schadensersatz verklagt werden – hier gibt es eindeutige Rechtsprechungen.
Denn: Wie soll er das Dach schneefrei halten, ohne sich selber zu gefährden? Ist das Risiko Dachlawinen nicht versichert, bleibt der Kfz-Halter auf seinen Schaden sitzen. Was ist noch zu beachten? Es darf kein Abzug neu für alt im Vertrag vereinbart sein. Das gilt für die Voll- und Teilkaskoversicherung. Wenn diese Klausel vereinbart ist, kürzt der Versicherer die Leistung nach Alter der geschädigten Teile. Ein Beispiel: Aufgrund eines Aufbruchs muss am Fahrzeug eine neue
Tür eingebaut werden. Die alte ist acht Jahre alt. Die neue kostet 1.000 Euro, der Versicherer kürzt die Leistung um 600 Euro, weil die Tür bereits acht Jahre alt war.
Abschließend ist zu sagen, dass die Teilkaskoversicherung auch ohne eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen werden kann. Auch in der Teilkaskoversicherung kann eine Werkstattbindung gegen Prämiennachlass vereinbart werden. Sollte der Kfz-Halter sich an diese Vereinbarung nicht halten,
drohen auch hier Sanktionen. Der auf den Weg in den Urlaub erlittene Glasbruchschaden muss in der vorgeschriebenen Werkstatt repariert werden. Hält sich der Kfz-Halter nicht daran, werden sehr schnell aus 150 Euro Selbstbeteiligung 400 Euro, weil 250 Euro Vertragsstrafe erhoben werden.
 
Dieser Artikel erschien am 10.10.2016 unter folgendem Link:
http://www.pfefferminzia.de/kommentar-zur-kfz-versicherung-bei-neuwagen-ist-eine-werkstattanbindung-absolut-nicht-zu-empfehlen-1476122559/
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